Yvonne de Bark: “Per Videocall eine Verbindung zum Herzen aufbauen”

Wer sich am Tisch gegenüber sitzt, kann im Kundengespräch schnell Vertrauen aufbauen. In einem Videocall ist das viel schwerer. Körperspracheexpertin Yvonne de Bark gibt Tipps, wie Vermittler über Zoom, Teams und Co. einen positiven und bleibenden Eindruck hinterlassen können.

Körperhaltung, Licht & Ton: Worauf es beim Videocall ankommt

Die studierte Schauspielerin und Hochschuldozentin unterstützt als Wirkungsspezialistin Vorstände in DAX-Unternehmen. Sie erklärt, auf welche Details es bei der Körpersprache und bei der Grundausstattung ankommt, um im Videocall eine vertrauenerweckende und professionelle Wirkung auf die Kunden zu haben.

Redaktion: Sie sind Expertin für nonverbale Kommunikation – welche Rolle spielt diese bei Videocalls?

Yvonne de Bark: „Eine sehr wichtige. Vermittler müssen in einem Videocall sofort Vertrauen aufbauen können und ihren Kunden das Gefühl vermitteln, trotz räumlicher Distanz gegenüber am Tisch zu sitzen. Das geht nur mit der richtigen Körpersprache, dem passenden Bildausschnitt, einem satten Ton und guter Beleuchtung. Man kann nicht einfach den Laptop aufklappen und die Nasenlöcher ins Bild halten, weil alles falsch eingestellt ist. Das reicht nicht aus, damit das Gegenüber Vertrauen aufbauen kann.“

Redaktion: Digitale Calls wirken schnell unpersönlich – wie kann ein Vermittler trotzdem eine persönliche Beziehung zu neuen Kunden aufbauen?

Yvonne de Bark: „Direkter Blickkontakt ist unabdingbar, um Vertrauen aufzubauen. Dieser sollte bei analogen Treffen idealerweise bei etwa 80:20 liegen – aber im Videocall wird man nicht angeschaut. Leider gibt es dafür noch keine technischen Lösungen. Sie müssen sich also zwingen, in die Kamera zu schauen, um den Eindruck zu vermitteln, Ihrem Kunden direkt in die Augen zu sehen. Ein Trick ist, sich vorzustellen, dass der andere in der Linse sitzt. Man kann auch die Kamera so nah an die Linse schieben, dass wenigstens der Eindruck eines direkten Blickkontaktes entsteht.

Wichtig ist auch, häufig empathisches Feedback zu geben: Nicken, Lächeln, dem Kunden das Gefühl geben, aktiv zuzuhören. Ich sage immer: Der Blick ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen. Aber wer einmal gemeinsam lacht, der kann eine Verbindung zum Herzen aufbauen.“

Redaktion: Welche Ausstattung sollte idealerweise vorhanden sein?

Yvonne de Bark: „Meiner Meinung gehören Laptop-Ständer, dimmbares LED-Licht und ein externes Mikrofon zur Grundausstattung. Mit einer Investition von 150 Euro ist man da gut aufgestellt. Ein Ringlicht eignet sich wegen der ringförmigen Reflektion allerdings nicht so gut für Brillenträger. Brillenträger nehmen ein LED-Licht, das sie höher positionieren. Bei einem Videocall setzen sie sich dann am besten aufrecht hin, nehmen das Kinn ein wenig tiefer und positionieren das LED-Licht so, dass die Spieglung aus den Brillengläsern verschwindet.“

Redaktion: Was sollte ich vor einem Videocall beachten?

Yvonne de Bark: „Das Wichtigste ist der erste Eindruck. Also ist es sinnvoll, vorher das Vorschaubild und den Ton zu checken, damit die Begrüßungsworte nicht „Hören sie mich? Sehen Sie mich?“ sind.

Außerdem ist die richtige Auswahl der Kleidung auch im Videocall wichtig: Wer kleingemusterte Kleidung trägt, wie etwa karierte Hemden, ruft den sogenannten Moiré-Effekt hervor. Das flimmert in den Augen und stört. Die Farbe Weiß überstrahlt alles und schwarz wird konturenlos.“

Redaktion: Welche Posen sollte man im Kundengespräch vor der Kamera vermeiden – welche eher einnehmen?

Yvonne de Bark: „Viele verfallen vor der Kamera in so eine Art Starre, aber in einem Beratungsgespräch geht das nicht, es muss lebendig sein und positiv wirken. Denn wer sich auf dem Bürostuhl zurücklehnt, wirkt arrogant und desinteressiert, auch wenn es nicht so ist. Die Arme auch nicht an den Körper legen, sondern am besten locker auf der Tischplatte auflegen. Eine ruhige Rückenlehne hilft beim Vertrauensaufbau. Eine Nackenstütze wirkt eher abweisend. Stehen ist immer noch die beste Position, um lebendig und dynamisch zu wirken.

Auch auf große Kopfhörer sollten Sie verzichten. Am besten wäre ein externes Mikrophon. Bei den Checks in meinen Trainings schneidet das am besten ab. Die Tonqualität ist einfach um Klassen besser, alles andere klingt metallisch oder hallt.

Wichtig ist auch, auf den Bildausschnitt zu achten: Ihr Gegenüber sollte Sie bis zur Brust sehen, oben sollte nur eine Handbreit Platz sein. Die Linien der Zimmerdecken oder Schränke sollten gerade sein. Die Kamera befindet sich auf Augenhöhe, Zimmerdecken sollten nicht zu sehen sein. Nicht nach vorne beugen, das wirkt bedrohlich, und auch nicht zu weit zurücklehnen.“

Redaktion: Gibt es Übungen, mit denen ich meine Körpersprache bzw. Rhetorik verbessern kann?

Yvonne de Bark: „In gerader Haltung hinstellen, Beine auf Schulterbreite, Knie nicht durchdrücken. Dann stellen Sie sich vor, dass ein Faden von der Wirbelsäule in den Himmel führt, und richten sich demgemäß auf. Damit stehen Sie automatisch gerade. Im Sitzen vor der Kamera geht das auch, mit dieser Haltung wirken Sie charismatischer.“ 

Redaktion: Virtueller Hintergrund – ja oder nein?

Yvonne de Bark: „Virtueller Hintergrund ist out. Man wirkt menschlicher und authentischer, wenn man ihn weglässt. Ich habe in 15 Monaten etwa 500 Trainings durchgeführt und in jeder Wohnung einen idealen Hintergrund gefunden. Nur in drei Fällen war ich der Meinung, dass ein virtueller Hintergrund besser ist. Der ideale Hintergrund bei einem Videocall ist dabei nicht rein weiß – das Gehirn braucht links und rechts Orientierung.

Allerdings sollte im Hintergrund auch nicht zu viel stattfinden, sonst lenkt das Ihren Kunden ab. Keine Bücher, Bilder, Lampen – und nichts, was den von mir getauften „Was-ist-das“-Effekt hervorruft. Dieser Effekt tritt ein, wenn im Hintergrund etwas ist, das man nicht erkennt. Dann fokussiert sich das Gehirn darauf und der Vermittler hat nicht mehr die volle Aufmerksamkeit. Wer meint, er findet in seiner Wohnung keinen guten Hintergrund, dem kann ich helfen.“

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Titelbild: ©Yvonne de Bark