Hans Steup: “In der Hochzeits-Nacht zeigt sich, wer hier gemogelt hat”

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Stellenausschreibung
Stellenausschreibung

Nachdem wir zuletzt die rechtlichen Hürden für eine gute Stellenausschreibung aufgezeigt haben, widmen wir uns jetzt der Frage: “Wie muss diese gute Stellenausschreibung eigentlich aussehen?” Dazu haben wir mit dem Rekrutierungsspezialisten Hans Steup gesprochen. Er betreibt mit den VersicherungsKarrieren Deutschlands ersten reinen Stellenmarkt für Jobs rund um Versicherungen.

Redaktion: Herr Steup, welche drei Tipps haben Sie, damit eine Stellenausschreibung positiv hervorsticht?

Hans Steup: Erstens, schreiben Sie nicht aus fremden Stellenanzeigen ab. Dort steht meistens nur Mist. Und den wollen Sie nicht übernehmen. Langweilen Sie passende Kandidaten nicht mit Geschwafel und den üblichen Floskeln. Machen Sie sich Gedanken und schreiben Sie die Besonderheiten auf, die der Kandidat als Mitarbeiter bei Ihnen bekommt. Vielleicht meldet er sich dann bei Ihnen, um mehr über Sie, Ihr Unternehmen und den Job zu erfahren.

Zweitens, gehen Sie in den ersten drei Sätzen auf den Wunsch-Kandidaten ein. Der Kandidat muss bereit sein, seinen jetzigen Job zu kündigen. Und dann bei Ihnen zu unterschreiben. Das ist ein schwerer Schritt. Überlegen Sie, was ihn bei seinem jetzigen Job nervt. Zu wenig Geld? Zu wenig Freizeit? Zu wenig Verantwortung? Zu viel Verantwortung? Es gibt tausend Gründe für Unzufriedenheit. Ist das, was ihn nervt, bei Ihnen besser? Dann erzählen Sie das in Ihrer Ausschreibung. Wenn nicht, bleibt der Kandidat, wo er ist.

“Eine Stellen-Ausschreibung ist kein Produkt-Informations-Blatt.”

Drittens, schreiben Sie keine ellenlange Liste mit Anforderungen. Eine Stellen-Ausschreibung ist kein Produkt-Informations-Blatt. Fordern Sie nur, was Sie UNBEDINGT brauchen. Den Rest bringen Sie ihm bei. Kandidaten haben die freie Auswahl und gehen den Weg des geringsten Aufwands. Fordern Sie ihn also auf, Sie anzurufen, um mehr darüber zu erfahren, wie es ist, bei Ihnen zu arbeiten. Den Satz ‘Bitte schicken Sie uns Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen.’ will ich bei Ihnen nicht lesen. Davon kriege ich Kopfschmerzen.

Redaktion: Auf welchen Kanälen sollte Vermittler unbedingt suchen?

Hans Steup: Das ist eine gute Frage, die ich gerne schnell mit Facebook, Xing und Spezial-Stellenmärkten beantworte. Diese drei sind erste Wahl für Versicherungsfachleute. Allerdings: Draußen werden auch Spezialisten für bestimmte Bereiche gesucht. Wenn Sie jemanden für den Bereich Landwirtschaft suchen, lohnt sich vielleicht eine gedruckte Anzeige in einem regionalen Fachblatt. Oder ein kurzer Auftritt beim regionalen Radio-Sender.

Überlegen Sie genau, wen Sie suchen. Denken Sie um die Ecke. Sie können sich auch mit einem Stand auf den Wochenmarkt stellen oder ins Einkaufszentrum. Je enger die Nische ist, in der Sie arbeiten und je mehr Anforderungen Sie haben, desto mehr Zeit, Geld und Geduld müssen Sie einsetzen, um passende Mitarbeiter zu finden. Tun Sie es nicht, dann tut’s Ihr Mitbewerber. Seien Sie als Arbeitgeber in Ihrer Region omnipräsent. Erzählen Sie jedem, auch denen, die es nicht wissen wollen, dass Sie Mitarbeiter suchen. Aber erzählen Sie es aus Sicht des unzufriedenen Kandidaten, dem Sie eine neue Möglichkeit bieten wollen.

“Schreiben Sie nicht den Mist der Anderen ab. Sie und Ihr Betrieb sind anders. Auch wenn Sie denken, Versicherungsbüro ist Versicherungsbüro. Das stimmt oft nicht.”

Redaktion: Was muss ich als suchender Arbeitgeber in der Außendarstellung beachten?

Hans Steup: In meinen Interviews für Jobstories höre ich zwischen den Zeilen oft tolle Dinge, die mögliche Kandidaten brennend interessieren. Erzählen Sie, was Sie den ganzen Tag tun. Wer ist Ihre Zielgruppe? Wie viele Mitarbeiter sind im Team? Haben Sie eine besondere Arbeitsweise? Posten Sie Fotos und kurze Videos (unter einer Minute) auf Facebook. Zeigen Sie, wie Sie sind. Schreiben Sie es nicht nur. Dabei ist ein bißchen Kosmetik erlaubt. Wie bei der Brautschau. Aber übertreiben Sie es nicht. Bleiben Sie ehrlich. Denn in der Hochzeits-Nacht müssen Sie die Hosen runter lassen. Und dann zeigt sich, wer hier gemogelt hat.

Titelbild: ©Hans Steup

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