Obacht: Rechtliche Stolpersteine bei der Stellenausschreibung

1
2176
Stellenausschreibung
Stellenausschreibung

„Gutes Personal ist leider schwer zu kriegen!“ Frank Ramond, deutscher Sänger und Musikproduzent.

Was Frank Ramond mit leichtem Augenzwinkern in seinem Song „Gutes Personal“ beschreibt, ist auch ein Thema für die Versicherungsbranche. Zum einen fehlt der Nachwuchs. Zum anderen sind viele Vermittler dem Ruhestand deutlich näher, als der Ausbildung. Nur drei Prozent der Vermittlerschaft sind unter 30. Mehr als die Hälfte sind über 50. Über 60 Jahre sind bereits 13 Prozent. Das geht aus einer gemeinsamen Studie des V.E.R.S. Leipzig und Professor Fred Wagner von der Uni Leipzig hervor. Also wird die Nachwuchs- und Personalsuche zum Kernthema. Kerninstrument natürlich: Die Stellenausschreibung.

Nicht so voreilig!

Aber kann ich diese mal eben so veröffentlichen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn neben den Ansprüchen der möglichen Bewerber, müssen Stellenanzeigen auch eine Reihe rechtlicher Kriterien erfüllen.

Stellenausschreibung: Alles, was Recht ist

Den wichtigsten Rechtsrahmen für eine Stellenausschreibung gibt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor. Es verbietet die Diskriminierung aufgrund bestimmter persönlicher Merkmale wie Geschlecht, Alter, Herkunft oder Religion. Ist eine Ausschreibung so formuliert, dass sie gegen das AGG verstößt, können Geschädigte gegen den Ausschreiber klagen. Im äußersten Fall können die betroffenen Bewerber laut der IHK Wiesbaden nicht nur den entstandenen Schaden (Aufwendungen für die Bewerbung und entgangenes Einkommen) einfordern, sondern auch bis zu drei Monatsgehälter geltend machen.

Auf diese Merkmale müssen suchende Unternehmen bei einer Stellenausschreibung achten:

  1. Geschlecht

Kritisch: Formulierungen mit Geschlechtsbezug wie etwa „passender Kandidat“, „suchen Sekretärin“

Tipp: Stellenausschreibungen geschlechtsneutral halten. Sprich: Sekretär (w/m/d), Sekretär/in

  1. Alter

Kritisch: Konkrete Altersangaben, „suchen jungen und dynamischen Bewerber“, „xy Jahre Berufserfahrung“

Tipp: Das Alter bei Stellenanzeigen komplett außen vorlassen. Denn hier kann man gleich in mehreren Richtungen ins rechtliche Fettnäpfchen treten.

  1. Religion/Weltanschauung

Kritisch: geforderte Religionszugehörigkeit oder Engagement in politischen Gruppen/Gemeinden

Tipp: Auch hier den Bezug gänzlich vermeiden.

  1. Herkunft

Kritisch: Formulierungen wie „muttersprachlich“, „akzentfreie Aussprache“, Frage nach dem Geburtsort

Tipp: Kein Lichtbild verlangen, sondern „aussagekräftige Unterlagen“ und auf Formulierungen, die klar eine spezielle Herkunft oder Nationalität voraussetzen, verzichten

  1. Behinderungen/körperliche Einschränkungen

Kritisch: Formulierungen wie „körperlich belastbar“, „mobil“, etc.

Tipp: In der Stellenausschreibung auf die körperlichen und geistigen Tätigkeitsfelder eingehen und diese beschreiben. Sonderfall: Ist beispielsweise eine Mindestanforderung an Mobilität wichtig für den Job, etwa als Außendienstmitarbeiter, dann ist es legitim, das auch in der Anzeige anzugeben.

Nur, wer alle diese Punkte beachtet, kann seine Stellenanzeige rechtlich wasserfest machen.

“Als Arbeitgeber muss ich in Kauf nehmen, dass ich dann zwar auch Bewerbungen von – aus Arbeitgebersicht – ungeeigneten Bewerbern bekomme. Allerdings bin ich dann auch nicht dem Vorwurf ausgesetzt, mit der Stellenanzeige gewisse Bewerber zu benachteiligen/ zu diskriminieren.” Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht Katharina Schumann, Kanzlei Lehner und Kollegen München

Titelbild: © iana_kolesnikova / fotolia.com

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie hier Ihre Nachricht ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein