Ein Weckruf: Verbraucher halten Pflegeversicherung für unnötig

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Pflegeversicherung
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Der Stand der Pflege in Deutschland ist prekär. Während die Zahl der zu Pflegenden schnell ansteigt, bezieht mittlerweile rund ein Drittel der Pflegeheimbewohner Sozialhilfe. Das geht aus einem Bericht des ARD Magazins „Plusminus“ hervor. Denn wer eine Versorgung über dem niedrigen Standard wünscht, muss draufzahlen. Das liegt daran, dass das deutsche Pflegesystem über Pauschalen funktioniert. Bedeutet: Eine Verbesserung der Pflegesituation erhöht immer auch den Eigenanteil. Für viele Rentner ist das offenbar zu viel.

Immer weniger Menschen sorgen vor

Also bleibt noch die private Vorsorge. Aber auch hier besteht Nachholbedarf. Nur fünf Prozent der Deutschen verfügen über eine private Pflegeversicherung. Und während sich im ersten Halbjahr 2017 noch mehr als 50.000 Menschen für den Pflegefall absicherten, waren es im Vergleichszeitraum 2018 nur 8.000. Dazu passt auch eine aktuelle Umfrage eines deutschen Versicherers. Demzufolge ist die Pflegeversicherung in den Augen der Verbraucher nicht sonderlich beliebt. 85 Prozent der Deutschen halten diese Absicherung für unwichtig. Das spiegelt sich auch in der Beratungspraxis der Vermittler wieder. Nur in den seltensten Fällen fragen Kunden aktiv eine Pflegezusatzversicherung nach, wie die Studie belegt.

Vermittler vermuten falsches Problem

Woran liegt das? Vermittler vermuten, das zeigt die Studie, dass viele Kunden das Thema Pflege einfach vor sich herschieben. 95 Prozent der Befragten halten das für zutreffend. Aber offenbar liegt ein anderes Problem vor: Zum einen fehlen der Hälfte der Interessierten  laut eigener Aussage Informationen zu dem Thema. Beim Lager der Uninteressierten dominiert indes die Überzeugung, dass der Versicherer im Ernstfall „eh nicht zahlt“. Fast die Hälfte der Befragten hat diese Befürchtung. Ein Drittel verlässt sich sogar auf die staatliche Absicherung. Dieses Ergebnis ist ein Weckruf. Stichwort: Informationsmangel oder grundsätzlich falsche Informationen.

Im Faktencheck

Dieses Defizit können insbesondere Vermittler ausbessern. Sie haben eine persönliche Beziehung zum Kunden, die ein Versicherer selbst so nicht aufbauen kann. In der erfolgreichen Pflegeberatung führt außerdem kein Weg an einer aktiven Ansprache vorbei. Das zeigen die Zahlen aus der Praxis. Da sich die Ablehnung der Kunden großteilig aus Fehlinformationen speist, ist hier die Aufklärungsarbeit umso wichtiger. Um Vermittler optimal auf die Arbeit in dem komplexen Feld vorzubereiten, hat das Versicherungskammer Maklermanagement Kranken einen besonderen Ansatz: Gemeinsam mit der IHK München/Oberbayern hat sie den Ausbildungsgang „Vorsorgeberater Pflege“ ins Leben gerufen. 2019 startet der nächste Jahrgang.

Titelbild: © Mario Hagen / fotolia.com

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