Die häufigsten Kritikpunkte an der PKV und wie man ihnen begegnet

Kritikpunkte an der PKV
Kritikpunkte

Jeder Vermittler kennt es: In einer Beratung kommt das Gespräch an einen Punkt, in dem Kunden ihr Vorwissen unter Beweis stellen. Oftmals gehen Kunden nicht uninformiert zum Vermittler, sondern haben bereits im Vorfeld recherchiert. In der Regel online. Denn das Netz hält zum Thema Versicherung eine Fülle an Material bereit. Auch im Bereich der privaten Krankenversicherung. Doch nicht alle Informationen stimmen. Wir zeigen die häufigsten Fehleinschätzungen und Irrtümer und wie man ihnen begegnet.

„Die Beiträge für die PKV steigen viel schneller als für die gesetzliche Krankenversicherung.“

Zu den Fakten. Eine Untersuchung des Ratinghauses Assekurata für den Zeitraum 2007 bis 2017 ergab über den gesamten Zeitraum eine Beitragserhöhung von insgesamt 53 Prozent. Beamtentarife wurden dabei außen vor gelassen. Macht jährliche Steigungsraten von im Schnitt 4,2 Prozent.

Auch die Ratingagentur Franke und Bornberg untersuchte in ihrem map-report die Beitragsentwicklung der PKV. In diesem Fall über den Zeitraum 2000 bis 2019. Ergebnis: Eine durchschnittliche Beitragserhöhung von 3,79 Prozent pro Jahr. Für das Jahr 2019 stiegen die Beiträge durchschnittlich um 2,87 Prozent.

Spannend ist der Vergleich zwischen GKV und PKV. Die Grafik des PKV-Verbands zeigt seit 2009 einen Anstieg um 3,3 Prozent pro Jahr. Die Beiträge der PKV wiederum stiegen um 2,8 Prozent. Die Graphen zeigen, dass sich die Beiträge für privat Versicherte zwar sprunghafter entwickeln, insgesamt aber unter dem GKV Niveau bleiben.

Beitragsentwicklung PKV GKV Vergleich
Beitragsentwicklung im Vergleich

2. „Wenn ich alt bin, kann ich die PKV nicht mehr bezahlen.“

Es stimmt: Im Alter sind Menschen statistisch anfälliger für Krankheiten und bedürftiger in Sachen medizinischer Versorgung. Entsprechend verursachen ältere Versicherte auch rechnerisch mehr Kosten für ihre Versicherer. Normalerweise würden die Prämien im Alter also deutlich steigen. Um diesen Effekt aufzufangen, gibt es die Altersrückstellung.

Diese wird aus einem Sparbeitrag aufgebaut. Der deckt nicht das tatsächliche Risiko, sondern bildet ein Polster für die Finanzierung der PKV im Alter. Dieses wird dann festverzinslich angelegt. Seit dem Jahr 2000 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eine private Krankenversicherung zehn Prozent Zuschlag verlangt, um die Beiträge im Alter stabil zu halten.

3. „Die Systeme haben doch eigentlich gar keine Leistungsunterschiede.“

Ein Kernunterschied der beiden Systeme: private Krankenversicherer sind an ihre Leistungsversprechen gebunden. In der GKV ist das anders. Denn politische Reformen ermöglichen die Ausdünnung des Leistungsspektrums. Ein prominentes Beispiel ist der Bereich der zahnmedizinischen Versorgung, der stetig ausgehöhlt wurde.

Ein weiterer Unterschied sind die zusätzlichen Leistungen ohne zusätzliche Kosten. Im Normalfall umfasst das stationäre Leistungen, wie Ein- oder Zweibettzimmer, höhere Zuschüsse zu Sehhilfen oder für Zahnersatz. Die GKV müssten Versicherte mit privaten Zusatzversicherungen optimieren.

Zu guter Letzt: Termine beim Facharzt. Privatversicherte haben hier klar Vorteile und geringere Wartezeiten. Die Unterschiede im Leistungsumfang sind also vorhanden. Und sie sind vertraglich garantiert.

4. „Ich glaube, dass ich aus der privaten Krankenversicherung nie wieder rauskomme.“

Stimmt so nicht. Fällt ein Versicherter durch einen Jobwechsel wieder unter die Versicherungspflichtgrenze, kann er auch wieder in die GKV wechseln. Teilzeit oder vorübergehende Kurzarbeit sind davon ausgeschlossen. Wer bereits 55 Jahre oder älter ist, muss zudem in den vergangenen fünf Jahren Mitglied in der GKV gewesen sein. Sonst klappt ein Wechsel nicht. Wie zuvor geschildert, muss das aber nicht problematisch sein. Wichtig ist bei dem Schritt in die PKV immer eine genaue Abwägung. Eine finanziell unsichere Zukunft ist keine gute Grundlage für eine solche Entscheidung. Auch nicht bei kurzfristigen Einsparpotenzialen. Das erklärt auch Sven Hennig, Versicherungsmakler und PKV-Experte in unserem Spezial.

„Die Kundennachfrage nach Qualität und Leistung ist aus meiner Sicht aber deutlich gestiegen. Gerade bei der Klientel, die auch wirklich in die PKV gehört. Nämlich Angestellte über der Beitragsbemessungsgrenze. Die Leute sind auch häufiger bereit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Sven Hennig, Versicherungsmakler und PKV-Experte

Titelbild: ©Jacob Lund/stock.adobe.com

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