Gemeinsam einsam: So verändert die Isolation den deutschen Konsum

Gemeinsam einsam: So verändert die Isolation den deutschen Konsum

Die Corona-Krise dämpfte den Konsum psychoaktiver Substanzen bei den Deutschen. Dafür aber nahmen Tabak- und Alkoholkonsum zu. Wie wirkt sich das auf die Gesundheit der Konsumenten aus?

Corona beeinflusst Drogenkonsum

Das „European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction“ (EMCDDA) stellte fest, dass europaweit vor allem in den ersten drei Monaten der Pandemie ein Rückgang von Drogenkonsum zu beobachten war. Als Gründe gaben die Befragten zum Beispiel seltenere Gelegenheiten zum Konsum, eine eingeschränkte Verfügbarkeit und eine damit einhergehende verminderte Sammlung von Drogen an. Die großflächig durchgeführten Lockdowns in Deutschland nahmen Vielen die sozialen Möglichkeiten für den Drogenkonsum. Pubs, Clubs und Festivals mussten ihre Tore schließen, das europäische „Nightlife“ kam zum Erliegen. Der Bericht legt offen, dass der Gebrauch von Kokain und MDMA am meisten zurückging.

Kiffen aus Langeweile

Der Cannabiskonsum ging dafür in beide Richtungen. Dem EMCDDA zufolge nahm der „sporadische“ Konsum ab, während die „stärkeren“ Konsumenten noch eher zugriffen. Die Gründe dafür: Konsumenten wollten Unwohlsein und Langeweile bekämpfen. Die Auswirkungen von Cannabis auf das menschliche Gehirn sind noch nicht in Gänze erforscht, doch wie das Gesundheitsministerium berichtet, sind Aufmerksamkeitsstörungen und beeinträchtigte Reaktionszeiten mögliche Langzeitfolgen von Cannabiskonsum.

Weniger Raucher im Corona-Jahr

Bei Tabak hingegen sieht es anders aus. Wie die tagesschau berichtet, stieg der Absatz von Tabak-Feinschnitt und Pfeifentabak im Corona-Jahr. Dasselbe gilt für den Konsum derselben. Das „DHS Jahrbuch Sucht 2021“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen legte offen, dass die Ausgaben für Tabakwaren um fünf Prozent anstiegen. Dabei gewannen vor allem sogenannte „Selbstgedrehte“ und Shishas deutlich an Zulauf. Bekannte Langzeitfolgen von Tabak-Konsum sind eine schlechtere Lungenleistung und ein erhöhtes Krebsrisiko. Der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig zufolge erkranken Raucher auch leichter am neuen Coronavirus.

„Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127 000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Daher sind wir – trotz insgesamt rückläufiger Zahlen – hier lange noch nicht am Ziel.“ – Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Corona und der Alkohol

Auf europäischer Ebene nahm der Alkoholkonsum im vergangenen Jahr leicht zu. In Deutschland dagegen kauften die Verbraucher weniger Alkohol als noch im Jahr 2019. Besonders in den Lockdown-Monaten ging der Konsum stark zurück, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis). Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier ging um minus 5,4 Prozent zurück, der von Schaumwein um minus 2,1 Prozent. Bei den Spirituosen brach der Absatz um minus 0,9 Prozent ein. Die Schließungen der Gastronomie und Absagen bei Großveranstaltungen, allen voran des Oktoberfests, hinterließen ihre Spuren. Gleichzeitig sei dem DHS zufolge eine gefährliche Veränderung im Konsumverhalten zu erkennen. Statt aus Geselligkeit tranken die Verbraucher nun zusehends aus Stressgründen.

Ein Blick in die Kristallkugel

Die EMCDDA zeigt sich in ihrem Bericht gleich an mehreren Fronten besorgt. Ein mögliches Szenario für die Zukunft ist, dass nach Aufhebung aller coronabezogenen Restriktionen eine Rückkehr zum alten Konsumverhalten erfolgt. Aktuell jedoch sei der erhöhte Alkoholkonsum gerade bei Konsumenten anderer Drogen ein Grund zur Sorge. Auch erkannten die Studienautoren einen Missbrauch von Benzodiazepinen, das oft als Schlaf- und Beruhigungsmittel oder zur Behandlung von Angststörungen genutzt wird. Mit der Zeit könnte sich eine erhöhte Abhängigkeit von diesen Stoffen zeigen. Diese Gefahr sieht auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig. „Die Corona-Pandemie stellt alle Akteure vor immense Herausforderungen, schafft neue Suchtgefahren und erfordert schnelle und wirksame Entscheidungen“, sagte sie bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichts 2020 in Berlin.

Novego hilft bei Angstzuständen

Für die während der Corona-Krise verstärkt auftretenden Angstzustände und psychischen Probleme gibt es eine Alternative zum Drogenkonsum. Das neue Selbsthilfeprogramm Novego hilft allen Kunden mit einer Krankenvoll– oder Beihilfeversicherung. Es beinhaltet einen ausführlichen Selbsttest und Online-Module, die Kunden dann bis zu zwölf Wochen nutzen können. Diese helfen dabei, ihre Krankheit zu verstehen, sie fördern alternative Sichtweisen und üben Konzentration und Entspannung. Nähere Informationen zum Notfall-Management „Seele“ erhalten Kunden auf der Website.

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Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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