Die Kehrseite der Reform: Pflegeheime kassieren ab!

Pflegereform

Seit 1. Januar 2017 ist das neue Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Ziel der Reform ist es, die Versorgung der 2,8 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland zu verbessern. Drei Stufen werden zu fünf Pflegegraden differenziert. Körperliche, psychische und geistige Erkrankungen werden gleichermaßen berücksichtigt. Weit mehr Menschen haben somit Anspruch auf Pflegeleistungen. Von der Politik und der Wissenschaft wurde die Reform als wegweisender Umbruch in der Geschichte der deutschen Pflegeversicherung zwar begrüßt, überschattet wird sie allerdings derzeit von negativen Medienberichten. Darin heißt es, Pflegeheime sollen sich die Verwirrungen um die Reform zu Nutze gemacht haben, um Versicherte mit horrenden Preiserhöhungen zu belasten.

Höhere Beiträge für Pflegeheime

Das Pflegestärkungsgesetz markiert eine der umfassendsten Reformen in der Geschichte der Pflegeversicherung und wird von Experten, Ökonomen und Politikern gleichermaßen als Erfolg bezeichnet. Doch wie zum Beispiel die Zeitung die Welt berichtete, nutzten mittlerweile zahlreiche Pflegeheime die Verwirrung um die Pflegereform aus, zum Nachteil für Versicherte und Angehörige von Pflegebedürftigen.

Im Zuge der Überführung auf neue Pflegegrade wird bei vielen Bedürftigen auf ein neues Bezahlsystem umgestellt. Diese Fälle sollen bereits einige der 13.000 deutschen Pflegeheime für eine generelle Preiserhöhung ausgenutzt haben. David Kröll, Sprecher der BIVA in Bonn, eine der größten Interessenvertretungen, bestätigt die Vermutung in der “Welt”: „Wir stellen fest, dass im Zuge der Umstellung neu berechnet wurde und vielfach Entgelte erhöht wurden.“

Mitunter haben einige Heimbetreiber bereits die Anteile der Heimkosten erhöht, die Bewohner für Renovierungsmaßnahmen zahlen müssen. Kröll dazu: „Wir haben das Gefühl, dass die eigentlich gewollte Entlastung bei hohen Pflegegraden tendenziell dadurch aufgezehrt wird.”

Experten sind besorgt

Ziel der Reform ist es, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu entlasten. Wer von einem Pflegegrad in den nächsten rutscht und mehr Hilfe in Anspruch nehmen muss, sollte anders als bisher nicht viel mehr zahlen müssen. Ein Heimplatz kostet durchschnittlich 3000 Euro. Rund die Hälfte zahlt der Versicherte. So die Theorie.

Dass Pflegeheime die Umstellung für zum Teil horrende Preiserhöhungen ausgenutzt haben könnten, ist für Michael Wessels, Ökonom an der Hochschule für Gesundheit in Bochum, vorstellbar. Viele Pflegeheim-Anbieter hätten lange nicht mehr mit den Kommunen und den Pflegekassen verhandelt, um die Preise für Heimplätze festzulegen.

Die Prognose des Ökonomen: Wenn mehr Menschen Anspruch auf Pflegeleistungen haben, könne der Fachkräftemangel zunehmen und dazu führen, dass Bedürftige weniger bekommen, als ihnen zusteht. Im Zweifel könnten sich laut Wessels Heime auf den Personalmangel berufen.

Einen Überblick zu den wichtigsten Änderungen, die sich durch die Reform ergeben, erhaltet Ihr hier. Tipps für die Pflege-Beratung geben wir Euch übrigens auf unseren Pflege-Roadshows im März. Besucht uns in München, Stuttgart, Köln oder Hamburg. Meldet Euch gleich an. Wir freuen uns auf Euch.

Titelbild: ©Africa Studio

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