Der GKV die Zähne zeigen: DIY Kieferorthopädie wird schädlicher Trend

Zahn

Immer mehr Menschen bestellen sich ihre Zahnspangen ohne ärztliches Gutachten im Internet. Liegt das an der steigenden Leistungsreduktion der gesetzlichen Krankenkassen? Wir werfen einen Blick auf den zweifelhaften Trend.

Mit einem Klick zum Zahnpasta-Lächeln

Schöne Zähne gelten nicht erst in Zeiten von Social Media als Schönheitsideal. Ein gerades Gebiss ist ästhetisch und gehört ebenso wie ein ordentlicher Haarschnitt zu einem gepflegten Äußeren. Geprägt wird dieser Anspruch vom strahlenden Zahnpasta-Lächeln der Schönheitsindustrie und teils schamlosem Marketing. Die Werbebotschaft dahinter: Jeder kann mit nur geringem Aufwand ein schönes Lächeln erreichen.

Ein verlockendes Versprechen. Erst recht, da die klassische Zahnspange, geprägt durch jahrelange Klischees, als unschönes Accessoire gilt. Die neuste Trendlösung auf dem Markt: transparente Zahnschienen. Sie fallen im Alltag nicht auf und können während des Essens entfernt werden. Das US-Unternehmen Align Technology hatte sich das Produkt laut ZEIT bereits 1997 patentieren lassen. Das Markenrecht lief 2017 aus. Seither überschwemmen zahlreiche Konkurrenzprodukte den Markt. Die Schienen sollen schnell und günstig gegen leichte Fehlstellungen helfen.

Und die Zielgruppe ist groß. Studien zufolge tragen fast 60 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland eine Zahnspange. 60 Prozent aller 18- bis 39-Jährigen benötigen eine kieferorthopädische Behandlung. Die Kosten liegen bei rund 2.000 Euro pro Schiene. Die Kosten für lose Zahnspangen beginnen zwar bei circa 600 Euro, eine festsitzende Zahnspange kann jedoch bis zu 15.000 Euro kosten. Ein deutlicher Preisunterschied zum schnellen Onlinemodell. Auch Murat Gündogdu, Versicherungsbetriebswirt (DVA) und Zentraler Maklerbetreuer des Versicherungskammer Maklermanagement Kranken, erklärt sich den Trend dadurch:

„Viele Kunden haben keine Zusatzversicherung und müssen einen günstigen Weg gehen, um die Leistungen zu erhalten beziehungsweise sich leisten zu können.“

Er appelliert jedoch, nicht beim Thema Gesundheit zu sparen: „In der Kieferorthopädie ist die Vor-Ort-Beratung nicht nur wichtig, sondern entscheidend, damit der Kunde sich gut beraten fühlt.“ Zudem seien entsprechende Behandlungen langfristig. Eine Zahnspangenbehandlung kann durchaus bis zu drei Jahren dauern. Das Internet sei laut Gündogdu für entsprechende Maßnahme nicht geeignet.

Fauler Trick: Faule Zähne

Wie unseriös entsprechende Angebote sein können, bestätigen auch Ärzte. Manche Zahnschienen-Start-ups verzichten auf ausgebildete Ärzte, reduzieren die Besuche in der Praxis oder einen Termin beim Kieferorthopäden. Zahnabdrücke nimmt der Patient zu Hause selbst vor. Die Fotografien der Zähne gehen dann an eine Firma, die 3D-Abdrücke simuliert. Die Bundeszahnärztekammer veröffentlichte hierzu bereits 2017 ein Statement: Da Zahnprobleme, wie Karies zwischen den Zähnen, Entzündungen im Zahnfleisch oder Kiefergelenkprobleme nicht erkannt werden, lägen Behandlungen allein in der Verantwortung von Zahnärzten und Kieferorthopäden und dürften nicht zum Spielfeld gewerblicher Anbieter werden.

Eine falsche Behandlung kann fatale Folgen nach sich ziehen. Zwar sei die Behandlung gesunder Zähne mit einer Zahnschiene weitgehend unbedenklich, bei geschädigten Zähnen, die dem Druck der Schiene nicht standhalten, drohe im schlimmsten Fall Zahnausfall. Da von Zahnschienen hervorgerufene Fehlstellungen oft erst Jahre später auffallen, kann es zudem zu Langzeitschäden kommen. Einige Start-ups arbeiten daher inzwischen verstärkt mit Zahnmedizinern zusammen.

Versicherungskammer fühlt auf den Zahn

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt jedoch den direkten Gang zum Kieferorthopäden. Der Knackpunkt: die Kosten. Hinsichtlich dieser lohnt sich laut Murat Gündogdu eine Zahnzusatzversicherung als ergänzender Baustein zur GKV: „Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind so gering, dass gerade gesetzliche Versicherte bei Zahnersatz tief in die Tasche greifen müssen. Zahnreinigungen und Kunststofffüllungen werden von der GKV ebenfalls nicht übernommen.“ Gerade da solche Maßnahmen nicht geplant sind, kann das einen großen finanziellen Mehraufwand bedeuten. „Jeder sollte daher einen zusätzlichen Versicherungsschutz haben“, erklärt Gündogdu.

Die Versicherungskammer bietet Interessierten hier mit der Zahnzusatzversicherung ZahnPRIVAT Premium umfassende Leistungen. Im Premiumschutz inbegriffen sind Leitungen zu Zahnprophylaxe, Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie. Zudem sind für Kinder bis zum 18. Lebensalter die Kosten zu 90 Prozent versichert. Der Rechnungsbetrag darf dabei bis zu 4.000 Euro betragen. Ab dem 19. Lebensalter sind Kieferorthopädiebehandlungen nur auf Grund eines Unfalls ausnahmslos versichert.

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